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Die Studie zum Thema ARBEIT und Down-Syndrom


Die Arbeit
Recherche und Fragebogen: Redaktion Ohrenkuss
Auswertung: Diplom-Biologin Katja Weiske


Arbeit ist wichtig, um zu leben
Menschen mit Down-Syndrom über ihre Arbeitssituation

Der Fragebogen zur Arbeit:
Arbeitest du gerne? Ist Arbeit wichtig? Macht dir die Arbeit Spaß? Verdienst du Geld? Hast du einen Traumberuf?

Diese und noch weitere Fragen stellten sich die Redakteure des Magazins Ohrenkuss, alles junge Erwachsene, die das Down-Syndrom haben. Anstatt es sogenannten Experten zu überlassen, zur Arbeitssituation von Menschen mit geistiger Behinderung zu forschen und zu berichten, sollten die Betroffenen selbst zu Wort kommen und als "Kenner der eigenen Sache" ihre Lebenssituation in Bezug auf die Arbeit zum Ausdruck bringen. Mittels finanzieller Förderung durch den Stifterverband der Deutschen Wiissenschaft wurde ein Fragebogen entwickelt und an Personen mit und ohne Down-Syndrom sowie solche mit einem anderen Handicap verschickt.

Aus den 102 zurückgesandten Fragebögen konnten drei verschiedene Kollektive zusammengestellt werden: 48 Personen mit Down-Syndrom, 34 ohne Handicap und 33 mit einer anderen Behinderung (verschiedenste Handicaps wie Lernbehinderung, geistige Behinderung, seelische Behinderung, Rollstuhl usw.). Der Altersdurchschnitt bei den Personen mit Down-Syndrom liegt zwischen 20 und 40 ]ahren, eine Spanne, in der die meisten Menschen einer Arbeit nachgehen. Das Kollektiv setzt sich zusammen aus 29 Berufstätigen, 7 Auszubildenden, 10 Schülerlnnen und 2 RentnerInnen. Von den 36 Berufstätigen und Azubis (29 + 7) mit Down-Syndrom arbeiten mehr als zwei Drittel (25) in beschützten Einrichtungen (Werkstätten für behinderte Menschen), in denen Montage, Verpackungs- und Sortierarbeiten verrichtet werden. Nur 11 arbeiten bzw. erhalten eine Ausbildung entweder in integrativen Einrichtungen oder auf dem so genannten allgemeinen Arbeitsmarkt: 7 Azubis werden in den Bereichen Hotelfach, Kindergarten und Altenheim ausgebildet, 1 Frau arbeitet bereits als Hauswirtschaftshelferin im Kindergarten, 1 arbeitet in einer industriellen Firma und 1 als Bibliotheksassistentin. 1 Mann mit Down-Syndrom arbeitet neben seiner Werkstatttätigkeit noch im Filmgeschäft und als Künstler.

Interessanterweise arbeiten in der Gruppe mit einer anderen Behinderung ebenfalls 25 von 32 Berufstätigen in beschützten Werkstätten und nur 7 haben eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Die Studie zeigt, dass die meisten Menschen mit einer leichten bis mittelschweren geistigen Behinderung trotz integrativer Bemühungen (vor allem im schulischen Bereich) immer noch hauptsächlich in beschützten Werkstätten tätig sind. In ihrem Buch: "lntegrative Berufsvorbereitung, Unterstütztes Arbeitstraining für Menschen mit Behinderung" (Luchterhand, 2001) beschreiben die Autoren Andreas Hinz und Ines Boban (zu den von der Hamburger Arbeitsassistenz durchgeführten Maßnahmen zur Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt) eben diese Lücke zwischen integrativen Möglichkeiten im schulischen bzw. eventuell berufsschulischen Bereich und der Integration im Arbeitsleben.


Ich lerne Hotelfachfrau

Eine wichtige Frage war die nach der Ausbildung der Personen mit Down-Syndrom als Grundlage für ihre berufliche Tätigkeit. Die Auswertung der ausformulierten Antworten spiegelt sehr gut wider, wie viel stärker die eigene Auseinandersetzung bzw. Reflexion der Befragten über die Zusammenhänge - Schule/Ausbildung/Beruf - gefördert wird, wenn diese in Ausbildung sind oder eine Tätigkeit ausüben mit dem Ziel auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt integriert zu werden.

Personen, die den bisher traditionellen Weg von der sonderschulischen Einrichtung in eine beschützte Werkstatt gegangen sind, scheinen sich weit weniger mit der Thematik auseinander zu setzen. Von den 25 Beschäftigten in den beschützten Werkstätten geben nur 7 explizit an, eine Schule besucht zu haben, hier werden auch wichtige Fächer wie Mathe, Deutsch, Musik, Sport und Theater spielen aufgezählt. Einige bezogen die Frage wohl nur auf die berufliche Ausbildung und geben eine beschützte Werkstatt als Ausbildungsstelle an oder machen unklare Angaben wie "Praktikum" oder "lesen, bisschen schreiben". Die 11 Personen, die entweder eine Ausbildung mit Ziel der Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erhalten oder dort bereits tätig sind, machen hingegen alle relativ genaue Angaben zu ihrer schulischen und / oder beruflichen Ausbildung, die zu einem großen Teil in integrativen Einrichtungen stattfand. Die junge Frau mit Down-Syndrom (21 J.) beispielsweie, die in zwei verschiedenen Bibliotheken Frankfurts als Bibliotheksassistentin arbeitet, gibt als Ausbildung eine Gesamtschule mit Integrationsklassen an. Zwei Azubis machen ihre Ausbildung in einer integrativen Einrichtung (Übungshotel), um später in einem Hotel arbeiten zu können. Die Auswertung des Kollektivs, bestehend aus Menschen mit einem anderen Handicap ergab vergleichbare Ergebnisse.


Mein Traumberuf ist Rockmusiker

Von den 25 Arbeitnehmern mit Down-Syndrom, die in Werkstätten für Behinderte arbeiten, geben knapp zwei Drittel (15) eine andere Beschäftigung als Traumberuf an, während dies nur zwei der 11 Azubis bzw. Berufstätigen des allgemeinen Arbeitsmarktes tun. Überwiegend äußern sich die Beschäftigten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sehr zufrieden mit ihrem Job, bzw. geben eben diesen als Traumjob an, von verschiedenen Veränderungswünschen abgesehen. Bemerkenswert ist, dass nur sehr wenige Teilnehmer Traumberufe angeben, die realistisch gesehen vielleicht außerhalb ihrer Fähigkeiten liegen (z. B. "Anwalt" oder "Polizistin"), die meisten Personen mit Down-Syndrom äußern Berufswünsche, die durchaus im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegen.

Ein Teil wünscht sich ein ganz anderes Arbeitsfeld als das, in dem sie tätig sind: Einer, der in einer Werkstatt Bodenmatten verpackt, würde gerne in einer Brauerei arbeiten und schreibt: "Wenn ein Fest ist, kann ich anzapfen und so", ein anderer, der Steckdosen montiert, würde lieber mit Pferden umgehen ("Es macht Spaß mit den Pferden, ich mache therapeutisches Reiten."). Eine Frau, die in einer Werkstatt Schläuche schneidet, würde gerne "Wäsche waschen", eine andere schreibt: "Ich würde gerne im Büro arbeiten, weil es etwas anspruchsvoller ist." Ähnliche Ergebnisse zeigt die Auswertung des Kollektivs mit Menschen mit einem anderen Handicap.

Eine weitere Gruppe sieht ihren Traumberuf im künstlerischen Bereich. Von Musik ("Möchte eigene Rockband, damit ich endlich mal zu mir komme") über Malerei bis zur Schauspielkunst ("Theater spielen, weil ich gerne was spiele, Texte lerne und tanze"). Auch die 10 SchülerInnen dieses Kollektivs äußern z.T. konkrete Traumberufe, z.T. haben sie noch keine genauen Berufsvorstellungen, wie das im Schulalter üblich ist.

Utopische Vorstellungen fehlen völlig, die Teilnehmer mit Down-Syndrom scheinen sich selbst und ihre Fähigkeiten sehr gut einschätzen zu können.

Interessant ist der Vergleich zum Kontrollkollektiv (Menschen ohne Handicap), welches überwiegend aus Personen mit einem sehr hohen Ausbildungsniveau besteht (akademische AusbiIdung). Fast alle Teilnehmerlnnen dieser Studie geben an, ihren Traumberuf auszuüben, bzw. darauf hin zu arbeiten oder sich zumindest keinen anderen Beruf mit einer größeren Zufriedenheit vorstellen zu können.


Macht die Arbeit Spaß?

Bei den vielleicht wichtigsten Fragen der Studie: "Macht dir die Arbeit auch mal Spaß?" und "Ist die Arbeit wichtig für dich?" herrscht große Übereinstimmung zwischen den drei Kollektiven. Nahezu alle 102 Teilnehmer, ob mit oder ohne Handicap antworten mit "ja"; "sehr oft" oder "immer". Die Begründungen für die Wichtigkeit von Arbeit der Menschen mit Down-Syndrom sprechen für sich: "habe nette Kolleginnen", "Geld verdienen ist wichtig für mich", "Arbeiten macht Riesenspaß", " ... wichtig, weil ich ja auch etwas leisten kann".

Die Studie des Magazins Ohrenkuss zeigt, dass die Arbeit einen sehr wichtigen Anteil an der Lebenszufriedenheit der Menschen während eines langen Lebensabschnitts hat, ob sie nun ein Handicap haben oder nicht. Menschen mit Down-Syndrom arbeiten heute immer noch hauptsächlich in beschützten Werkstätten (wie viele andere behinderte Menschen auch) und gehen einer Tätigkeit nach, die häufig nicht ihren Fähigkeiten und Neigungen entspricht. Als "ExpertInnen für ihre eigene Situation" (Hinz/Boban, 2001, S. 12) können sie sich oft selbst gut einschätzen und hätten, mit entsprechender Unterstützung, die Möglichkeit, eine ihren Fähigkeiten und Talenten angemessene Tätigkeit auszuüben. Dies zeigt auch die Arbeitssituation der wenigen, die eine Ausbildung bzw. Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben. Mit mehr unterstützenden Maßnahmen wie die der Hamburger Arbeitsassistenz könnte die wünschenswerte Integration von ArbeitnehmerInnen mit geistiger Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt vorangetrieben werden.

Zusammen mit einer angemessenen Bezahlung würde den Betroffenen der Schritt in eine größtmögliche Unabhängigkeit erleichtert, ihren Familien ein Teil der Fürsorgepflicht abgenommen und sie könnten als erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung in unserer Gesellschaft ein Stück mehr dazugehören.
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Gesamt-Studie - Studie zur Arbeit - Studie zum Geld - Der Fragebogen
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