![]() |
| A A |
||||||||||
| Startseite | Informationen | Projekte | Kontakt | Links | ||||||
| A |
| A A |
Navigation: Startseite > Projekte > Pressespiegel > "Nur beim Cappuccino muss Marc noch passen" Artikel |
|
| GENERAL ANZEIGER 5. August 2002. Von Uta Effern-Salhoub. Stieldorf. Strammen Schrittes marschiert Marc ins "Maruzzella". Nach einer Minute taucht er umgezogen wieder auf: die lange Schürze umgebunden, korrekt im dunkellila Hemd und passender Krawatte mit dem Schneckenhaus-Emblem, macht er sich an der Theke zu schaffen. Sind genug Chardonnay, Cabernet, Frascati, Prosecco und Montepulciano da? Der Cabernet könnte knapp werden. Marc flitzt in den Keller. Eingespieltes Team:Giovanni Russo (rechts) und sein Mitarbeiter Marc Lohmann kommen gut miteinander aus. Zum Bedauern beider ist Marcs Förderlehrgang jetzt zuende gegangen. Foto: Homannn Eine halbe Stunde später tippen die Kellner die ersten Getränke in die Kasse ein. Die Bons flattern zu dem 21-Jährigen auf die Theke. Der erledigt alle Bestellungen prompt. Sein Chef Giovanni Russo ist äußerst zufrieden mit Marc. "Er kennt fast jeden Gast. Wenn er manchen Stammgast von weitem aus dem Auto steigen sieht, zapft er ihm schon das erste Pils vor." Mit Marc Lohmann hatte der Stieldorfer Gastronom ein Jahr lang eine zuverlässige, fleißige Kraft. Was nicht weiter bemerkenswert wäre, hätte Marc nicht das Down Syndrom. Die Mitarbeiter akzeptieren und achten, die Gäste mögen ihn. "Ein Kollege von mir sagte, er hätte Angst, so einen Jungen hinter die Theke zu stellen. 'Du machst dir dein Image kaputt'", warnte der mich. Das stimmt natürlich überhaupt nicht, im Gegenteil, den Marc haben alle in die Herzen geschlossen", sagt Giovanni Russo heute rückblickend. Im Sommer 2001 begann das Förderjahr des 21-Jährigen im "Maruzzella". "Ich bin Halbitaliener", sagt der Holtorfer heute im Brustton der Überzeugung. Buon giorno, grazie, prego, espresso, rapido, alles kommt ihm locker über die Zunge. Und auch die täglichen Handgriffe an der Theke sitzen. Nur beim Cappuccino muss Marc noch passen, das Gerät zischt und qualmt so doll und mit dem Schaum will es nicht so richtig klappen. Das kann den jungen Mann aber keineswegs entmutigen. "Ich will Gastronomie-Fachmann werden", steht für ihn fest. Achtung und Zuneigung beruhen auf Gegenseitigkeit, der Chef und sein Lehrling haben voneinander profitiert. Marc sind die Kollegen aus dem sonnigen Italien ans Herz gewachsen. Jetzt ist der Förderlehrgang leider vorüber. Mit dem Bus kam Marc täglich selbstständig von Niederholtorf herüber gefahren. Auch das gab ihm Selbstbestätigung, Mut und Motivation für seinen weiteren Weg. "Die wollten ihn und auch Marc war von der Sache überzeugt, das lief alles harmonisch und reibungslos", zieht Siegfried Horsters vom Arbeitsamt Bonn eine Bilanz des Jahrespraktikums. Der 50-jährige Soziologe und Reha-Berater des Arbeitsamts begleitete und förderte die Wünsche und Interessen des 21-Jährigen. Horsters kennt Marc und seine Mutter von einem Beratungsgespräch in der Gesamtschule Beuel. Dort war Marc so genannter Integrationsschüler. Sobald sich die Schullaufbahn der behinderten Jugendlichen dem Ende zuneigt, versuchen Arbeitsamt, Pädagogen, Eltern und Jugendliche gemeinsam, die Interessen und Fähigkeiten der jungen Menschen auszuloten. So hat Marc in seiner Schulzeit schon fünf Praktika gemacht: unter anderem in der Bonner Stadtgärtnerei und in einer Bäckerei. "Ohne unsere Hilfe ist der Weg ins Berufsleben schwer", sagt Horsters. Unter Hinzuziehung von Pädagogen und Eltern legen die Berater mit dem Jugendlichen die Marschrichtung fest. Der Förderlehrgang, die Berufsschule oder die Werkstatt für Behinderte bieten sich im Anschluss an die Schule an. Für den Förderlehrgang kommen drei Lernorte in Frage: konkrete Betriebe, Ausbildungswerkstätten oder Internate. Passende Betriebe wie das Maruzzella zu finden ist laut Horsters "nicht leicht, aber auch nicht sehr schwer. In der Gastronomie ist es eher seltener, die größeren Möglichkeiten bietet das Handwerk". Nur zehn Prozent aller Förderlehrgangsteilnehmer kommen in einem Betrieb unter - und somit im prallen wirklichen Leben. Das Arbeitsamt entlohnt die Praktikanten, die Betriebe haben durch sie keine Kosten. Aber vielleicht etwas mehr Aufwand auf anderem Gebiet: "Die Betriebe investieren ihre Geduld, ihre Zeit, den Aufwand des Beibringens." Die Bereitschaft, sich Behinderten zuzuwenden, scheint indes zu wachsen, sagt Horsters. Marc ist jetzt aufgenommen in die Berufsvorbereitungsklasse des Robert-Wetzlar-Kollegs in Bonn. Diese Berufsschule wendet sich an die "Stärkeren" unter den geistig Behinderten und macht Marc ab September zwei Jahre lang fit auf dem Feld Hauswirtschaft und Gastronomie. Einen anerkannten Berufsabschluss wird Marc dort zwar nicht erzielen, aber allerlei Fertigkeiten sammeln, um in Zukunft eine Beschäftigung in der Gastronomie zu finden, sei es in der Küche oder im Service. |
||
| zum Pressespiegel |
| A A |
||||||||||
| Startseite | Informationen | Projekte | Impressum | Links | ||||||
| A |