A
A
Startseite Informationen Projekte Kontakt Links
A
A
A
Navigation: Startseite > Projekte > Pressespiegel > "Von 'Akte X' bis zum Thema Liebe"



Artikel


RHEINISCHE POST 21. Dezember 2000. Von Stefan Gilsbach.


"Die preisgekrönte Zeitschrift 'Ohrenkuss' wird von Menschen mit Down-Syndrom gestaltet"

Es dürfte wenige Zeitungen geben, die nach einer spontanen Zärtlichkeit in der Redaktionskonferenz benannt wurden. "Ohrenkuss" ist nicht nur in dieser Beziehung eine Ausnahme. Seit drei Jahren erscheint die Zeitschrift, gestaltet von Menschen mit und ohne Down-Syndrom. Zehn Mitarbeiter gehören zur zentralen Redaktion in Bonn, hinzu kommen Korrespondenten, etwa in Wien und sogar USA. Vor einem Jahr, am 6. Dezember 1999, konnte die Redaktion im Berliner Reichstagsgebäude einen der Förderpreise "Demokratie leben" in Empfang nehmen.

Wir hatten vor allem zwei Ziele", erklärt Katja de Braganca, "zum einen wollten wir das Vorurteil widerlegen, dass Menschen mit Down-Syndrom keine Zeitschrift gestalten können. Außerdem wollten wir ein Blatt schaffen, das nicht alleine von Eltern und Fachleuten geschrieben wird. "Ein Forschungsprojekt des medizin-historischen Instituts der Uni Bonn gab die Gelegenheit dazu. "Bitte schreiben Sie, dass die Volkswagen-Stiftung das finanziert hat", sagt die ehemalige Humangenetikerin, "das fanden wir nämlich sehr mutig."

Rund 30 Seiten hat eine "Ohrenkuss"-Ausgabe, die zwei Mal im Jahr erscheint. Das querformatige DIN A4 große Heft ist im Großdruck gehalten und bebildert. In jeder Ausgabe steht ein Thema im Mittelpunkt, "Liebe", "Essen", "Geheimnisse - Akte X" und "Reisen: Afrika" sind bereits erschienen. Im Augenblick arbeitet das Team am Heft "In der Nacht".

Rund 1000 Abonnenten hat die Zeitung, die Macher hoffen, die Zahl der Abos im nächsten Jahr auf 3000 zu steigern. Das Blatt findet nicht nur bei Betroffenen und Fachleuten Zuspruch. "Ein gynäkologisches Labor aus Karlsruhe hat spontan 1500 Mark gespendet und 50 Hefte an Kunden verteilt", berichtet Katja de Braganca.

Unter den Mitarbeitern mit Down-Syndrom haben sich inzwischen feste Aufgaben herauskristallisiert. Angela Fritzen ist beispielsweise Schatzmeisterin. ("Ich kann besser rechnen, als die anderen"), Svenja Gieslers Stärke ist das Gedichteschreiben. Fehler werden nicht korrigiert, um die Authentizität zu wahren. Manche Texte werden diktiert, andere treffen per Post, Fax, Tonband oder E-Mail ein. Inzwischen verfügt die Zeitschrift auch über eine Internet-Ausgabe.

Irgendwann, hoffen die Projektleiterinnen Katja de Braganca und Brigit Mosimann. soll das ehrenamtlich geführte Blatt sich selber tragen können. "Dann könnten die Redakteure auf Stundenlohn-Basis arbeiten, zum Beispiel einen Tag in der Woche." Derzeit arbeiten fünf Mitarbeiter mit Down-Syndrom in einer Behinderten-Werkstatt, drei sind Schüler. "Wir möchten keine Leser aus Mitleid", sagt Katja de Braganca, "die Leute sollen unsere Zeitung einfach gut finden". Dass sie dies tun, bewies kürzlich eine E-Mail. "Jemand hatte uns beim Internet-Surfen entdeckt. Er fand die Zeitung so toll, dass er spontan 1000 Mark gespendet hat".


zum Pressespiegel
A
A
Startseite Informationen Projekte Impressum Links
A