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Navigation: Startseite > Projekte > Pressespiegel > "Abonniert den Ohrenkuss......da rein, da raus" Artikel |
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| Dr. med. Mabuse, erschienen in Nr. 127 September/Oktober 2000. Von Dr. Renate Jäckle. Um frei nach den Geschichten der unerschrockenen Gallier Asterix, Obelix, Idefix & Co aus Kleinbonum zu beginnen: Wir befinden uns im Jahre 2000 n. Chr. Die ganze Presselandschaft Deutschlands ist von wenigen Medienkonzernen und Großverlagen besetzt... Die ganze Presselandschaft" Nein! Im kleinen, ehemaligen Hauptstädtchen Bonn hört eine Gruppe unbeugsamer Redakteure nicht auf, mit ihrer Zeitschrift "Ohrenkuss ...da rein, da raus" dem publizierten Mainstream zu trotzen. Aber eine übermächtige Konkurrenz beschwört auf ihren Hochglanz-Titelblättern bereits die bis ins letzte Gen einheitlich durchgestylte, im Kern gesunde Gesellschaft und schlagzeilt "Fitness", "Wellness", "Beauty". Da liegt es auf der Hand, dass das Zeitungsmachen in Deutschland im Jahre 2000 n. Chr. nicht leicht ist für das ehrenamtliche Redaktionsteam des "Ohrenkuss", die acht Redakteure mit Down-Syndrom und ihre zwei literarischen Begleiterinnen in der Bonner Redaktion sowie fünf Außenkorrespondenten, ebenfalls mit Down-Syndrom, von Ilmenau über Wien bis Vashon (USA). Deshalb ein kurzer Blick zurück: Der "Ohrenkuss" entstand aus einem von Katja de Bragança geleiteten Projekt "Wie erleben Menschen mit Down-Syndrom die Welt - wie sieht die Welt Menschen mit Down-Syndrom"" am Medizinhistorischen Institut der Universität Bonn, in Zusammenarbeit mit dem Bonner Institut für Humangenetik. Das Projekt wurde bis März 2000 großzügig von der Volkswagen-Stiftung gefördert, aber nun benötigen die Ohrenkuss-Macher dringend neue Abonnenten, damit ihre Zeitschrift weiter bestehen kann. Das wäre außerordentlich wünschenswert. Seit November 1998 sind vier Ausgaben des Magazins erschienen, zu den Themen: Liebe, Akte-X (das Geheimnisvolle), Essen und Reisen/Afrika. Fast alle Texte sind von Menschen mit Down-Syndrom selbst geschrieben, selbst getippt, selbst in den Computer eingegeben oder, gelegentlich, auch diktiert (und dann gesondert im Heft gekennzeichnet).Die Außenkorrespondenten schicken ihre Beiträge per Post, Fax, Tonband oder Email. Man muss dies in Deutschland im Jahre 2000 n. Chr. betonen, 2da in der einschlägigen humangenetischen Literatur, in Vorlesungen und auch in der genetischen Beratung immer noch häufig behauptet wird, dass Menschen mit Down-Syndrom nur selten das Lesen und Schreiben erlernen", so Katja de Bragança und Katja Weiske in der Zeitschrift "medizinische genetik" (11/1999). Die bisherigen vier Ausgaben widerlegen aufs Schönste dieses Vor-Urteil (von dem sich übrigens auch die schulmedizinisch sozialisierte Verfasserin dieses Abo-Aufrufs vor ihrer Bekanntschaft mit dem "Ohrenkuss" nicht gänzlich hätte freisprechen können). Dies zeigt ein kurzer Blick in das aktuelle Heft (Nr. 4/2000) zum Thema "Reisen/Afrika". Der Leser findet darin - unter vielem anderen, Gedichten beispielsweise - einen von der Redaktion gemeinsam verfassten Bericht über eine Preisverleihung für den "Ohrenkuss", der im Dezember 1999 in Berlin den Förderpreis "Demokratie leben" erhalten hat. Michaela Koenig, Außenkorrespondentin in Wien, schreibt über "Fernweh und Afrika" oder der US-Außenkorrespondent Tobias Wolf hat per Email einen zweisprachigen Beitrag "My Flight to Seattle" geschickt und auch das Titelphoto "Landeanflug Seattle" beigesteuert. Apropos Photos! Die eindrucksvollen, lebendigen, oft großformatig präsentierten Porträts in den vier Heften, die unter anderem von dem Photographen Olaf Schlote aus Bremen stammen, sind ein Genuss für jeden Freund der Schwarz-Weiss-Photographie. Kurzum: Die bisherigen Ausgaben des "Ohrenkuss", die von der Grafikerin Maya Hässig liebevoll, professionell und ausgesprochen künstlerisch im topmodernen Querformat layoutet worden sind, sind ihren Preis allemal wert. Die geplanten nächsten Themen klingen vielversprechend: Arbeit, In der Nacht, Musik, Sport. Und ganz zum Schluss: Wie es sich für ein modernes Magazin gehört, ist der Ohrenkuss selbstverständlich auch in einer anschauenswerten online-Version vorhanden: www.ohrenkuss.de. Also, alte und junge Mabuse-Leser: Abonniert den Ohrenkuss!!! |
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