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Navigation: Startseite > Projekte > Pressespiegel > "Von wegen 'da rein, da raus ...' " Artikel |
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| KIDS aktuell Magazin zum Down-Syndrom, Nr.8 10/2003 www.kidshamburg.de Von wegen “da rein, da raus ...”. Von Jasper Jensen Am 9. und 10. Mai 2003 fand im Literaturcafé "Mathilde" eine Lesung der besonderen Art statt. Fünf Menschen mit Down-Syndrom trugen eigene, sehr unterschiedliche Texte vor: Humorvolle Gedichte wie das über die Lust, Schokolade zu essen. Eine Gruselgeschichte mit überraschendem Ende, höchst gespenstisch dargebracht. Sehr persönliche Gedanken über die Liebe, Alkohol und seine Folgen, über Wut und Ohnmacht einer der Autorinnen, wenn sie auf der Straße angestarrt wird u.a. Die Vortragenden vier Frauen und ein Mann sind Mitglieder der Redaktion von "Ohrenkuss ... da rein, da raus", eines halbjährlich erscheinenden Magazins, das von Menschen mit Down-Syndrom maßgeblich gestaltet wird und ihnen eine Plattform zur Veröffentlichung ihrer Texte bietet. KIDS Hamburg e.V. hatte sie und ihre nicht behinderten Kollegen und Kolleginnen eingeladen, um im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen einer interessierten Öffentlichkeit in Hamburg Einblicke in die Lebenswelt von Menschen mit Down-Syndrom zu ermöglichen. Beeindruckend war, wie selbstverständlich die Autoren sich und ihre Texte präsentierten. Mit viel Humor und Leichtigkeit reagierten sie auf Versprecher, Wünsche des aufzeichnenden Kameramannes und sonstige Tücken der besonderen Situation. Die Texte hatten ihren jeweils ganz eigenem Stil und wurden mit hoher emotionaler Intensität und Ausdrucksstärke vorgetragen. So hinterließ die Veranstaltung, trotz des Untertitels "da rein, da raus", einen deutlichen und bleibenden Eindruck. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet unter www.ohrenkuss.de die Online-Ausgabe bzw. erreicht die Redaktion unter Telefon 0228/3862354. Und wer weiß vielleicht ist diese Lesung ja nicht die letzte ihrer Art in Hamburg gewesen? Zurück aus der Zukunft. Von Simone Claaßen Neben dem, dass ich die Literatur der fünf Autorinnen und Autoren von Ohrenkuss genossen habe, habe ich ein zusätzliches Erlebnis ganz anderer Art gehabt. Nicht oft hat man als Eltern eines Kindes mit Down-Syndrom die Situation, viele Kinder mit Down-Syndrom im Miteinander zu erleben. Selten aber gibt es die Gelegenheit, mehrere Erwachsene mit Down-Syndrom kennenzulernen und zu erleben. Für mich ein bisher einmaliges Erlebnis. Durch meine Erfahrungen als Schwester eines geistig behinderten Mannes, habe ich keine Berührungsängste gegenüber Erwachsenen mit Down-Syndrom. Aber auch mein diesbezüglich unbedarfter Mann fühlte sich sehr wohl in mit den Ohrenkuss-Leuten: "Die sind alle Fan von mir, finden mich einfach einen 'Supertypen', wem sollte da nicht wohl sein!" Und das Besondere war, dass wir immer wieder das Gefühl hatten, in den Autorinnen und Autoren ein Stück 'unserer Zukunft' zu erleben: So könnte unser Sohn einmal werden. So fröhlich und glücklich über einen Erfolg könnte auch er einmal sein, so stolz auf sich selber über eine persönlich gelungene Leistung. Aber auch so empfindlich, nachdenklich und verletzbar, wie es teilweise vor und nach der Lesung in Gesprächen erkennbar war. Ebenso haben wir mögliche Entwicklungsgrenzen erahnt und damit die damit verbundenen gesellschaftlichen Konflikte wieder einmal vor Augen gehabt. Diese nachhaltige Erfahrung hilft uns, realistischer und Bezug nehmender in die Zukunft zu denken und zu handeln. Zu fühlen und zu erkennen, was heute wichtig ist und was es später einmal brauchen wird für unseren Kleinen. Zu merken, was es davon bereits gibt, was davon noch nicht einmal gedacht ist. |
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