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| PRISMA Ausgabe 32, August 2000, Von Barbara Frandsen. Menschen mit Down-Syndrom gestalten ein Magazin Wo immer man erzählt, dass in Bonn ein Magazin von jungen Leuten mit Down-Syndrom herausgegeben wird, gibt es ungläubige Gesichter. Dabei hat das überregionale Magazin "Ohrenkuss ...da rein, da raus" schon viele Leser fasziniert. Mehr noch: Das Redaktionsteam erhielt jüngst aus der Hand der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süßsmuth in Berlin den Preis "Demokratie leben". Das Magazin wird derzeit auf der EXPO in Hannover präsentiert und erscheint auch im Internet. Was weltweit einmalig ist. 13 junge Männer und Frauen schreiben für "Ohrenkuss" Gedichte und Reportagen. Sie malen Bilder, machen Interviews oder berichten über ihre Gefühle. Marc Lohmann zum Beispiel, 19 Jahre jung. dem man das Down-Syndrom kaum ansieht, hat ein eigenes zartes Erlebnis in einen Liebesroman einfließen lassen. "Anne denkt sich, Olaf ist ein Schmeichler, er weiß wirklich, wie er eine Frau verführen kann. Und dann ging es los. Über die Liebe. ...Wir gucken uns in die Augen, tief in die Augen...Bier trinken, FrühKölsch...Händchenhalten ganz langsam die Hände...am Arm und Bauch streicheln..." Marc alias Olaf ist von der Redaktionsarbeit fasziniert. endlich wird er ernst genommen. Bei Fotos und Layout wird das Team von "0hrenkuss" durch Profis unterstützt. "Die Mitglieder haben den Preis nicht bekommen, weil sie behindert sind", freut sich Biologin Dr. Katja de Braganca, die das Redaktionsteam betreut. Die Wissenschaftlerin ist davon überzeugt, dass Menschen mit Down-Syndrom Außergewöhnliches leisten können, wenn man nur an sie glaubt. Das Redaktionsteam trifft sich alle 14 Tage. Gemeinsam werden Gedichte und Artikel gelesen und entschieden, was das nächste Magazin füllen soll. Neben den sieben Redakteuren in Bonn gehören acht Korrespondenten mit Down-Syndrom aus dem In- und Ausland zu den Mitarbeitern. So auch Michaela Koenig aus Wien. Die 21 -Jährige macht derzeit eine Ausbildung als Kindergärtnerin. Für das Magazin "Geheimnis Akte X" hat sIe einen Krimi geschrieben. Die Bonner haben einzelne Elemente des Textes weiter verarbeitet - zum Beispiel den Inhalt zeichnerich umgesetzt oder Erklärungstexte formuliert. Keiner der Beiträge wurde korrigiert, geschweige denn inhaltlich verändert. Die Texte sollen authentisch sein. Das Projekt "0hrenkus" wurde zwei Jahre lang von der Volkswagen-Stiftung mit 320000 DM gefördert. Die Ausgaben - jährlich zwei - haben jeweils ein Schwerpunktthema. Vier Magazine sind bereits erschienen, und zwar mit den Themen Liebe, Essen. Akte X und - jetzt aktuell auf der EXPO - Fernweh & Reisen. Das Projekt ist Teil eines Forschungsvorhabens über Menschen mit Down-Syndrom am Humanmedizinischen Institut der Universität Bonn. Es hat bereits bewiesen: Kreative Arbeit ist auch für Gehandikapte eine Chance. kompetent zu sein. Die Arbeit von "0hrenkuss" wird auch in rn Form eines Buches erscheinen, das nach dem Willen der Verantwortlichen irgendwann einmal in jeder Bibliothek für Humangenetik stehen soll. Zunächst aber will es vor allem betroffenen EItern Mut machen. |
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